Gedenkveranstaltung 800-Jahr-Feiern in Gemünd am 23.6.2013 im Gemünder Kursaal zur Erinnerung an jüdisches Leben in Gemünd

Von Bürgermeister Udo Meister

Verehrte Frau Miley, sehr geehrter Herr Miley, sehr geehrter Herr Pfarrer Cuck, sehr geehrter Herr Pfarrer Schumacher, sehr geehrter Herr Rabbiner Bohrer, sehr geehrter Herr Toporowski, lieber Herr Müller, lieber Herr Kammers, meine sehr geehrten Damen und Herren,

1213 wurde Gemünd, damals noch als „Gemunde“ bezeichnet, erstmals urkundlich erwähnt.

Die Originalurkunde befindet sich noch heute im Kölner Stadtarchiv.

Seither sind 800 Jahre vergangen. Daher steht hier in der Stadt das Jahr 2013 ganz im Zeichen dieses 800-jährigen Bestehens unseres Ortes Gemünd.

Meine Damen und Herren, wie in Gemünd üblich, bedürfte es im letzten Jahr keiner großen Überredungskunst, um viele hilfsbereite Mitbürgerinnen und Mitbürger zu überzeugen, das Jubiläumsjahr 2013 zu einem wirklich besonderen, unvergesslichen Jahr in der langen Gemünder Geschichte zu machen.

Die Gemeinschaft der Gemünder Vereine, die sich neben den Vereinen aus Interessengemeinschaften, Kindergärten und der Grundschule zusammensetzt, an der Spitze Manfred Müller und Christoph Kammers, leisteten mit allen Helferinnen und Helfern hervorragende, organisatorische Arbeit.

Sie haben über das Jahr verteilt ein Programm zusammengestellt, das wirklich außergewöhnliche Veranstaltungen zur Geschichte und Kultur Gemünds bietet, ebenso wie Events für Kinder, Jugendliche, Gemünder und unsere Gäste, die der Unterhaltung dienen.

Dies war und ist schon aller Ehren wert und verdient unseren Dank.

Unvergesslich und herausragend wird dieses Jubiläumsjahr aber erst deshalb, weil die Organisatoren gemeinsam mit dem Arbeitskreis Stolpersteine Gemünd alle Aktivitäten von Anfang an um die zentrale Veranstaltung zur Erinnerung an ehemalige jüdische Nachbarn und das jüdische Leben in Gemünd geplant und konzipiert haben.

Diese heutige Veranstaltung wurde bewusst in den Mittelpunkt des Jahres 2013 gestellt und findet in der nächsten Woche ihre Fortsetzung mit der Verlegung von Stolpersteinen durch Herrn Demnig.

Er hat vor einigen Minuten bereits darüber berichtet. Damit erinnern wir an die Namen und Schicksale der unter der Herrschaft des Nationalsozialismus ermordeten Gemünder Juden.

Schließlich hat die Gemeinschaft Gemünder Vereine ein weiteres besonderes, außergewöhnliches Zeichens des Gedenkens, der Erinnerung und Würdigung, insbesondere aber der Versöhnung gesetzt, als sie Frau Hanna Miley die Schirmherrschaft der 800-Jahr-Feiern angetragen hat.

Ich freue mich, Frau Miley, dass Sie und Ihr Mann George trotz des schweren Verkehrsunfalles, den Sie erlitten haben, diesem Festakt den besonderen Rahmen geben.

Es gereicht Gemünd und der ganzen Stadt zur Ehre, Frau Miley, dass Sie die Schirmherrschaft über dieses Festjahr übernommen haben.

Aber auch, dass Sie gemeinsam mit Ihrem Ehemann George in den letzten Jahren regelmäßig in die Eifel zurückkehren und uns und unseren Kindern als Zeitzeugin von Ihrem Leben berichten, macht uns stolz und froh.

Es freut mich ganz besonders, dass Sie hier wieder viele Freunde gefunden haben und sich in Ihrer Heimat wieder geborgen und gut aufgehoben fühlen dürfen.

Ich erinnere mich gerne an meinen allerersten Tag im Amt des Bürgermeisters, es war der 19.11. letzten Jahres, als ich Sie und Ihren Mann in Begleitung von Herrn Wurst in nahezu der ersten Amtshandlung als Bürgermeister im Rathaus in Schleiden begrüßen durfte.

Damals, Frau Miley, Herr Miley, war das Goldene Buch der Stadt noch nicht zur Hand.

Ich habe es aber heute mitgebracht und würde mich für unsere Stadt geehrt fühlen, wenn Sie sich nachher darin eintragen und verewigen könnten.

Frau Miley, Sie haben in den vergangenen Jahren bereits mit Schülerinnen und Schülern unserer Schulen hier im Stadtgebiet viele Gespräche geführt und ihnen aus Ihrem Leben berichtet.

Es stimmt daher sehr hoffnungsfroh, wenn junge Menschen, wie wir dies gleich hier erleben werden, sich aktiv mit den Gräueln des Nationalsozialismus auseinandersetzen und sich ihrer geschichtlichen Verantwortung stellen.

Dies gerade und insbesondere in einer Stadt, die in ihren Mauern mit Vogelsang einen Ort beherbergt, der Geschichte und Schicksale im Nationalsozialismus sichtbar und begreifbar macht und als heutiger Lernort die damalige Ideologie brechen will.

In diesem Jahr haben die Schülerinnen und Schüler bereits eine große Gedenkveranstaltung am 27.1. in der Aula des Städt. Gymnasiums zum Gedenken an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durchgeführt.

Die Befassung junger Menschen mit dem Unfassbaren gewinnt umso größere Bedeutung, je weiter die Zeit voranschreitet und je weniger Menschen noch unter uns sind, die wie Sie, Frau Miley, über ihr persönliches Schicksal berichten können.

Frau Miley, Sie haben die jungen Menschen angeregt, das Schicksal ehemaliger jüdischer Nachbarn und Mitbürger zu recherchieren und sich in einem Film und einem Buchprojekt mit den gemachten Erfahrungen auseinanderzusetzen.

Meine Damen und Herren, ich denke, alle die, die heute am gemeinsamen Gebet teilgenommen haben und dieser Veranstaltung hier im Kurhaus jetzt beiwohnen, erliegen nicht der Fehleinschätzung, dass wir hier in Deutschland aufgrund der grauenhaften Historie von neuerlichen rechten Tendenzen bereit gefeit seien.

Diese Annahme wäre auch fatal, denn Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind nach wie vor ein ernstes Problem, das uns auch heute vielfach in neuen Formen und anderer Gestaltung begegnet.

Umso froher bin ich, hier in der Eifel, hier in Gemünd und der ganzen Stadt die Erfahrung gemacht zu haben, dass die Menschen gegenüber Rechten und Braunen Thesen nicht stillschweigend zur Tagesordnung übergehen, sondern ihren Widerstand artikulieren, sei es im Eifeler Bündnis gegen Rechts, im Arbeitskreis Judith H oder durch das Verlegen von Stolpersteinen, die den Opfern des Nationalsozialismus einen Namen und einen konkreten Ort des Erinnerns geben.

Bundestagspräsident Lammert, meine Damen und Herren, damit möchte ich auch zum Schluss kommen, hat vor einigen Jahren angemahnt, dass wir geeignete Formen des Gedenkens für die Zukunft finden müssen und festgestellt, dass es dafür kein Rezept gebe.

Die Initiative der Gemeinschaft Gemünder Vereine in Form der heutigen Gedenkveranstaltung, meine Damen und Herren, bezeugt einen ehrlichen, authentischen Gedenkdiskurs, der die Hand der Versöhnung und Freundschaft reicht.

Dafür danke ich den Initiatoren im Namen aller Bürger dieser Stadt und ebenso und besonders Ihnen, Frau Miley, dass Sie die ausgestreckte Hand ergriffen, die Schirmherrschaft über das Jubiläumsjahr übernommen haben und die Gemünder als Ihre Freunde bezeichnen.

Mit diesem positiven Ausblick in die Zukunft wünsche ich uns allen noch ein gelungenes Festjahr 2013 und allen Veranstaltungen Gottes Segen.

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